Kalkulationskarte Filmproduktion Angebot mit sechs Blöcken und Beispielwerten
Bild: Bildwirtschaft

Unternehmensfotografie

Wie wird ein Filmproduktion Angebot für Unternehmen kalkuliert?

Filmproduktion Angebot kalkulieren: Konzeption, Drehtag, Kamera, Licht, Ton, Schnitt, Musikrechte und Reisekosten mit Euro-Beträgen netto plus 19 Prozent MwSt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Filmproduktion Angebot zerfällt in sechs Blöcke: Konzeption, Vorbereitung, Drehtage, Postproduktion, Nutzungsrechte und Reisekosten.

Sechs Blöcke und Beispielwerte 2024

  • 6 | Blöcke im Angebot
  • 1.500–4.500 € | Konzeption netto
  • 3.500–7.500 € | Drehtag netto
  • 700–1.200 € | Schnitttag netto
  • 19 % | Umsatzsteuer

Wie ein Filmproduktion Angebot aufgebaut ist

Ein Filmproduktion Angebot ist keine Preisspanne, sondern eine Aufwandsrechnung. Jede Position nennt Menge, Einheit und Einzelpreis. Die Menge ist ein Drehtag, eine Schnittstunde, eine Lizenz oder ein Reisekilometer.

Pauschale, Tagessatz oder Lizenz

Pauschale

Gilt für
Denkleistung
Bezugsgröße
Treatment, Drehbuch
Steigt mit
Fassungen
Vergleich zählt
Leistungsumfang

Tagessatz

Gilt für
Personal, Technik
Bezugsgröße
Drehtag, Stunde
Steigt mit
Drehzeit
Vergleich zählt
Menge zuerst

Lizenz

Gilt für
Rechte
Bezugsgröße
Nutzungsumfang
Steigt mit
Medien, Laufzeit
Vergleich zählt
Territorium

Für den Vergleich zählt zuerst die Menge. Ein Schnitttagessatz von 900 Euro ist günstig, wenn der Tag zehn Arbeitsstunden umfasst. Er ist teuer, wenn darin nur vier Stunden Arbeit stecken. Erst danach vergleicht man die Einzelpreise.

Pauschalen gelten für abgegrenzte Denkleistungen wie Treatment und Drehbuch. Tagessätze gelten für Personal und Technik, deren Einsatz mit der Drehzeit steigt. Rechte werden nach Nutzungsumfang lizenziert, nicht nach Zeitaufwand. Die rechtliche Grundlage dieser Rechtepositionen steht im Urheberrechtsgesetz, dessen Aufbau das Bundesministerium der Justiz im UrhG-Inhaltsverzeichnis veröffentlicht.

Die Produzentenallianz vertritt als Branchenverband die deutschen Film- und Fernsehproduzenten. Über sie lassen sich marktübliche Kostenstrukturen der Auftragsproduktion einordnen. Für ein konkretes Angebot ersetzt das keine Einzelkalkulation.

Die folgende Tabelle nennt Beispielwerte für den Marktstand 2024. Die Spannen gelten für mittelgroße Produktionen in Deutschland. Alle Beträge sind netto vor Umsatzsteuer.

PositionBezugsgrößeBeispielwert netto 2024
Konzeption und TreatmentPauschale1.500 bis 4.500 Euro
DrehbuchPauschale2.500 bis 6.000 Euro
RegieDrehtag1.200 bis 2.500 Euro
Kamera mit AusrüstungDrehtag1.200 bis 1.800 Euro
Licht und GripDrehtag600 bis 1.500 Euro
TonDrehtag600 bis 900 Euro
AufnahmeleitungDrehtag500 bis 900 Euro
SchnittTag oder Stunde700 bis 1.200 Euro
Motion DesignTag oder Stunde800 bis 1.500 Euro
MusikrechteNutzungsumfang150 bis 10.000 Euro
ReisekostenKilometer und Übernachtung0,30 bis 0,70 Euro je km

Auf jede Summe rechnet die Produktion 19 Prozent Umsatzsteuer auf. Bei Leistungen aus dem EU-Ausland greift das Reverse-Charge-Verfahren. Dann schuldet der Auftraggeber die Steuer, die er als Vorsteuer zurückholt.

Konzeption, Treatment und Drehbuch

In diesem Block wird Denkleistung bezahlt, keine Technik. Das Treatment beschreibt Idee, Dramaturgie und Bildsprache auf drei bis acht Seiten. Übliche Pauschalen liegen 2024 zwischen 1.500 und 4.500 Euro netto.

Kostenblock Konzeption und Vorbereitung

  • Treatment1.500–4.500 €
  • Drehbuch 60–120 Sek.: 2.500–6.000 €
  • Regie pro Drehtag1.200–2.500 €
  • Location-Scouting pro Tag400–900 €
  • Drehgenehmigung Kommune50–500 €

Ein Drehbuch für einen Werbefilm von 60 bis 120 Sekunden kostet 2.500 bis 6.000 Euro. Den Aufwand treibt die Zahl der Fassungen. Fünf Abstimmungsschleifen sind fünf bezahlte Fassungen.

Regie wird pro Drehtag abgerechnet, üblich sind 1.200 bis 2.500 Euro. Bei besetzten Szenen kommen Casting und Darstellergagen hinzu. Darsteller werden nach Nutzungsumfang vergütet, nicht nach Drehtagen.

Zwei Positionen werden häufig unterschätzt. Location-Scouting kostet 400 bis 900 Euro pro Tag. Drehgenehmigungen bei Kommunen liegen meist zwischen 50 und 500 Euro, Sondergenehmigungen für Flughäfen oder Bahnhöfe deutlich darüber.

Drehtag: Kamera, Licht, Ton und Personal

Der Drehtag ist die größte Einzelposition im Angebot. Kalkuliert wird ein Zehn-Stunden-Tag. Jede weitere Stunde kostet 10 bis 15 Prozent des Tagessatzes, Nachtzuschläge liegen bei 25 bis 50 Prozent.

Drehtag: Personal und Technik netto

  • Kamera mit Ausrüstung1.200–1.800 €
  • Kameramiete450–1.200 €
  • Licht und Grip600–1.500 €
  • Tonmeister mit Funk600–900 €
  • Aufnahmeleitung500–900 €

Die Kamera ist Personal und Gerät zugleich. Ein Kameramann oder eine Kamerafrau mit Ausrüstung kostet 1.200 bis 1.800 Euro netto pro Drehtag. Nur die Kameramiete beträgt 450 bis 1.200 Euro, je nach Modell.

Licht und Grip umfassen Scheinwerfer, Stativmaterial und Lichtassistenz. Kalkuliert werden 600 bis 1.500 Euro pro Drehtag. Bei Außendrehs mit Tageslicht kommen Aufheller und Diffusoren hinzu.

Ton wird nach Aufnahmesituation kalkuliert. Ein Tonmeister mit Funkstrecken kostet 600 bis 900 Euro pro Drehtag. Interviewsituationen mit zwei Mikrofonen liegen am unteren Rand, Setaufnahmen mit mehreren Spuren am oberen.

Aufnahmeleitung und Produktionsleitung liegen bei 500 bis 900 Euro pro Drehtag. Bei zwei Drehtagen verdoppeln sich diese Technik- und Personalpositionen. Die Konzeption bleibt davon unberührt.

Postproduktion: Schnitt, Motion Design, Tonmischung

Der Schnitt wird als Stundensatz von 65 bis 120 Euro oder als Tagessatz von 700 bis 1.200 Euro angeboten. Für einen 90-Sekunden-Film sind drei bis fünf Schnitttage realistisch. Rohschnitt, Feinschnitt und Freigabefassungen werden getrennt ausgewiesen.

Postproduktion: Tagessätze und Aufwand

  • Schnitt pro Tag700–1.200 €
  • Motion Design pro Tag800–1.500 €
  • Colorgrading pro Tag800–1.200 €
  • Tonmischung pro Tag800–1.500 €
  • Sprecher pro Version400–1.500 €
  • Schnitttage für 90 Sek.3–5

Motion Design kostet 800 bis 1.500 Euro pro Tag oder 90 bis 150 Euro pro Stunde. Typische Leistungen sind Logo-Animation, Bauchbinden und animierte Statistiken. Jede Änderungsrunde wird als eigener Aufwand kalkuliert.

Colorgrading liegt bei 800 bis 1.200 Euro pro Tag. Tonmischung und Sounddesign kosten 800 bis 1.500 Euro pro Tag. Ein Sprecher für die deutsche Fassung wird mit 400 bis 1.500 Euro pro Version berechnet, abhängig vom Nutzungsumfang.

Stock- und Archivmaterial wird meist über Datenbanken lizenziert. Der Datenbankhersteller ist über § 87b UrhG geschützt, weshalb Archive eigene Lizenzmodelle abrechnen. Diese Posten stehen im Angebot getrennt von den Produktionskosten.

Musik und Nutzungsrechte: GEMA, GVL und UrhG

Musik ist der am häufigsten falsch kalkulierte Posten. Bibliotheksmusik kostet 150 bis 900 Euro pro Titel für einen festgelegten Nutzungsumfang. Eine Auftragskomposition liegt bei 2.500 bis 10.000 Euro netto.

GEMA und GVL getrennt lizenzieren

GEMA

Recht
Werk
Vergütet
Komposition, Text
Grundlage
VGG
Abrechnung
Nutzungsumfang

GVL

Recht
Leistungsschutzrecht
Vergütet
Künstler, Tonträger
Grundlage
VGG
Abrechnung
Nutzungsumfang

Die GEMA verwertet Rechte an Werken, also Komposition und Text. Die GVL nimmt Leistungsschutzrechte ausübender Künstler und Tonträgerhersteller wahr. Beide arbeiten auf Grundlage des Verwertungsgesellschaftengesetzes und rechnen nach Nutzungsumfang ab.

Der Nutzungsumfang entscheidet über den Preis. Maßgeblich sind Medien, Territorium, Laufzeit und Exklusivität. Ein interner Schulungsfilm kostet ein Vielfaches weniger als eine bundesweite TV-Kampagne mit denselben zwei Minuten Musik.

Für Rechtepositionen im Angebot gilt deutsches Urheberrecht. Nach § 32 UrhG ist eine angemessene Vergütung zu vereinbaren. § 32a UrhG sichert dem Urheber eine zusätzliche Vergütung, wenn später neue Nutzungsarten hinzukommen.

Auf EU-Ebene setzt die Richtlinie (EU) 2019/790 den Rahmen für Lizenzmodelle und faire Vergütung. Sie verlangt Transparenz über die Verwertung und stärkt die Verhandlungsposition der Urheber. Für Auftraggeber bedeutet das: Rechtepakete müssen beschrieben sein, sonst fehlt die Kalkulationsgrundlage.

Reisekosten, Versicherung und Genehmigungen

Reisekosten werden nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet. Üblich sind 0,30 bis 0,70 Euro pro Kilometer, Bahnfahrt zweiter Klasse und Flug in der Economy-Klasse. Übernachtungen liegen bei 120 bis 220 Euro pro Nacht.

Für Verpflegung gilt die steuerliche Pauschale von 28 Euro bei 24 Stunden Abwesenheit. Bei An- und Abreise sind es 14 Euro. Das ist eine Erstattungsgrenze, keine Marktspanne.

Versicherungen kosten 1 bis 3 Prozent der Produktionssumme. Abgedeckt werden Filmhaftpflicht, Equipmentschutz und Ausfallrisiken. Drohnenaufnahmen benötigen zusätzlich einen Versicherungsnachweis und eine Aufstiegsgenehmigung.

Ein Wetterreservetag ist günstiger als ein verschobener Drehplan. Zusätzliche Drehtage kosten Regie, Kamera, Licht, Ton und Aufnahmeleitung erneut. Die Positionen summieren sich je Reservetag auf rund 5.250 Euro netto.

Kalkulationsbeispiel: 90-Sekunden-Imagefilm

Die folgende Beispielrechnung zeigt einen Imagefilm mit zwei Drehtagen und deutscher Sprachfassung. Sie ist als Muster gekennzeichnet und kein Angebot eines benannten Anbieters.

PositionMengeEinzelpreis nettoSumme netto
Konzeption und Treatment13.200 Euro3.200 Euro
Drehbuch12.800 Euro2.800 Euro
Regie2 Drehtage1.800 Euro3.600 Euro
Kamera mit Ausrüstung2 Drehtage1.200 Euro2.400 Euro
Licht und Grip2 Drehtage900 Euro1.800 Euro
Ton1 Drehtag750 Euro750 Euro
Aufnahmeleitung2 Drehtage600 Euro1.200 Euro
Schnitt4 Tage900 Euro3.600 Euro
Motion Design2 Tage1.000 Euro2.000 Euro
Tonmischung und Sounddesign1 Tag900 Euro900 Euro
Sprecher1 Version600 Euro600 Euro
Musiklizenz Bibliothek1 Titel450 Euro450 Euro
Reise und Übernachtungpauschal1.100 Euro1.100 Euro
Produktionsleitungpauschal1.500 Euro1.500 Euro
Versicherung3 Prozent777 Euro777 Euro

Die Summe beträgt 26.677 Euro netto, gerundet 26.700 Euro. Bei 90 Sekunden Laufzeit sind das 296,67 Euro netto pro Sekunde. Die Umsatzsteuer von 19 Prozent beträgt 5.073 Euro. Der Bruttopreis liegt damit bei 31.773 Euro.

Nicht enthalten sind Nutzungsrechte für zusätzliche Medien. Eine Auswertung auf Social Media oder im Kino wird als Nachtrag kalkuliert. Üblich sind 10 bis 30 Prozent der Produktionssumme, abhängig von Laufzeit und Territorium.

Was Einkauf und Kommunikation prüfen sollten

Die Prüfreihenfolge im Angebot folgt dem Geld, nicht der Optik.

  1. Nutzungsumfang festlegenMedien, Territorium, Laufzeit und Exklusivität bestimmen den Rechtepreis. Fehlt die Angabe, ist der Preis nicht vergleichbar.
  2. Mengen gegen den Drehplan prüfenAnzahl der Drehtage, Schnitttage und Änderungsrunden mit dem Treatments abgleichen.
  3. Nachträge vereinbarenStundensätze für Zusatzleistungen und Regiekosten je Reservetag vor Auftragserteilung schriftlich fixieren.
  4. Zahlungsplan aufsetzenbei Produktionen ab 25.000 Euro netto sind 30 Prozent bei Auftrag, 40 Prozent zum Dreh und 30 Prozent nach Abnahme marktüblich.
  5. Anbieter prüfenGewerbeanmeldung, Berufshaftpflicht und Referenzen anfordern. Die IHK für München und Oberbayern (IHK München) berät Mitgliedsunternehmen zu Vertragsgestaltung und gewerberechtlichen Fragen dieser Art.

Ein Angebot ohne Rechteposition ist unvollständig. Ein Angebot mit Pauschale für alles ist nicht prüfbar. Beides gehört in der Einkaufsrunde zurückgewiesen.

Häufige Fragen

Was kostet ein Filmproduktion Angebot für einen 90-Sekunden-Imagefilm?

Für zwei Drehtage mit Konzeption, Schnitt, Motion Design und deutscher Sprachfassung sind 2024 netto 20.000 bis 35.000 Euro üblich. Das Beispiel im Text liegt bei 26.700 Euro netto plus 5.073 Euro Umsatzsteuer.

Wie hoch ist der Anteil der Nutzungsrechte am Angebot?

Bei rein interner Nutzung liegt er bei 5 bis 10 Prozent der Produktionssumme. Für TV, Kino und Social Media sind 15 bis 30 Prozent marktüblich. Die Höhe folgt Laufzeit, Territorium und Medienzahl.

Warum werden GEMA und GVL getrennt kalkuliert?

Die GEMA vergütet Komponisten und Textdichter für das Werk. Die GVL vergütet ausübende Künstler und Tonträgerhersteller für die Aufnahme. Ein Musiktitel löst daher zwei getrennte Lizenzpositionen aus.

Wie lange gilt ein Filmproduktion Angebot?

Üblich sind 30 bis 90 Tage. Danach können Tagessätze, Reisekosten und Lizenzpreise angepasst werden. Die Bindefrist steht meist im Kopf des Angebots.

Wie wird die Umsatzsteuer im Angebot behandelt?

Alle Kalkulationswerte sind netto. Auf die Summe kommen 19 Prozent Umsatzsteuer. Bei Produktionsleistungen aus dem EU-Ausland gilt das Reverse-Charge-Verfahren, der Auftraggeber führt die Steuer ab.

In diesem Leitfaden

  1. Filmproduktion Angebot im Vergleich von Pauschale, Tagessatz und AufwandsschätzungFilmproduktion Angebot Vergleich: Pauschale, Tagessatz und Aufwandsschätzung mit Beispielsätzen, Risikoverteilung, Nachkalkulation und Lizenzkosten.
  2. Filmproduktion Angebot in 5 Schritten mit Rechteübertragung erstellenFilmproduktion Angebot erstellen: Fünf Schritte von der Bedarfsklärung über Kalkulation und Rechtepakete bis zur Rechteübertragung nach UrhG, mit Beispielpreisen.
  3. Filmproduktion Angebot Checkliste für Musikrechte, GEMA und NutzungsumfangCheckliste Filmproduktion Angebot: GEMA, GVL, Production Music, UrhG, Nutzungsumfang, Laufzeit, Medien, Territory und Lizenzkosten netto plus MwSt. im Beispiel.

Mehr aus Unternehmensfotografie